Argumentation zur Auflösung des Kirchbauvereins Oberndorf e.V. 09.12.2010

von Wolfgang Winter

Unser Vorsitzender Willi Wild erklärte zur ordentlichen Mitgliederversammlung unseres Vereins am 23.10.2010, dass er nicht mehr gewillt ist, sich erneut der Wahl zu stellen.

Diese Nachricht traf alle Mitglieder einschließlich des Vorstandes wie aus heiterem Himmel und verlangte nach einer Auszeit in deren Verlauf eine Entscheidung zur Wahl des Vorstandes ausgesetzt wurde.

Nach reiflicher Überlegung und Abwägung aller Gründe über das Für und Wider des Bestandes unseres Vereins kam ich zur Überzeugung, dass die Auflösung des Vereins zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine richtige Entscheidung wäre. Dabei stelle ich nicht in Abrede, dass aus unseren Reihen nicht ein kompetenter Vertreter die Aufgaben eines Vorsitzenden übernehmen könnte.

Nun zu den Gründen der Auflösung:

Mit der Gründung am 20. September 2004 wurde sowohl in der Vereinssatzung als auch im Flyer festgeschrieben, dass neben der Gemeinnützigkeit auch der ausschließliche und unmittelbare Zweck, nämlich die Oberndorfer Kirche vor dem weiteren Verfall zu schützen und sie zu sanieren, dokumentiert wurde. Die in mehreren Bauabschnitten durchzuführenden Arbeiten sollten zum Kirchweihtag am 26. Juli 2010 abgeschlossen sein. Somit war bereits indirekt eine Beendigung der Arbeit des Kirchbauvereins Oberndorf mehr oder weniger vereinbart.

Ich möchte an dieser Stelle einfügen, dass natürlich nicht alle Details im Vorhinein absehbar waren, die im Verlauf der sechs Jahre unseres Bestehens abgerechnet werden konnten und somit weitaus mehr für die Kirche getan wurde als nur die Erhaltung und den Schutz vor dem Verfall.

Und egal wie wir uns heute entscheiden, möchte ich zu meinem Ausscheiden auch als Bauleiter des Kirchbauvereins die einzelnen Leistungen auch als Abrechnung unserer Arbeit der vergangenen sechs Jahre gegenüber der Vollversammlung darlegen um noch einmal den Umfang der vielfältigen Baumaßnahmen vor Augen zu führen:

Bereits am 2. Mai 2005, gewissermaßen noch vor den eigentlichen Arbeiten an der Kirche, begann der Abriss der 80 Meter langen maroden Kirchgartenmauer, die in den folgenden fünf Monaten durch die Ein-Euro-Kräfte Rainer Ludwig, Mario Baier und Ralf Sander sowie meiner Wenigkeit wieder aufgebaut wurde. Gleichfalls konnten mit Hilfe von Sponsoren und Eigenleistung die drei Eingangstore entsprechend dem alten Vorbild in neuem Glanz erstrahlen. Für die Verfugarbeiten halfen Detlef Scherneck, Silvio Füllsack und Martin Füllsack ebenfalls ehrenamtlich mit. Zur Grundsanierung der Kirche "Sankt Anna" wurde das Architekturbüro der Architektin Dr. Ing. Löffler der "Architektur+ Denkmalpflege" in Erfurt im Jahr 2005 beauftragt. Dieses wertmäßig größte Vorhaben in Höhe von 108.000 € wurde aus Mitteln von Baden-Württemberg, Eigenmittel der Kirchgemeinde, des Kreiskirchenamtes Gotha, der Gemeinde Oberndorf, der Denkmalpflege und aus Lottomitteln finanziert.

Die Sanierung am Turm begann am 15. Juni 2005 mit der Erneuerung des Tragwerkes des Turmes inklusive des Glockenstuhles. Nach der kompletten Einrüstung des einstigen Wehrturmes wurde der jetzige Glockenturm von seiner Altlast, der Asbestdeckung, befreit. Es erfolgte die teilweise Kompletterneuerung tragender Balken sowie die Montage einer neuen Holzverschalung zur Aufnahme des in Altdeutscher Ausführung gestalteten Schieferdeckung. Zur besseren Zugänglichkeit dieser Arbeiten wurden die Glocken herausgenommen. So konnte auch der Glockenstuhl erneuert werden. Die über 100-jährige mechanische Uhr wurde generalüberholt, gleiches geschah mit der Bekrönung, die teilweise neu gefertigt und mit Blattgold überzogen wurde. Das Sakristeidach erhielt ebenfalls eine neue Deckung. Für den Turm einschließlich Sakristei entschied man sich in Abstimmung mit dem Denkmalamt und der Kirchgemeinde für einen in gelb gehaltenen steinfühligen Putz. Damit war die umfassendste Sanierung beendet, an der die Firmen

Hädrich Gbr aus Buttstädt

        Bennert GmbH aus Hopfgarten

      Willing aus Gräfenhain und der

          Kunstschlosser aus Bechtedtstraß

die Verantwortung übernahmen.

Im Jahr 2006 erfolgte die Sanierung der Kirchenschifffassade. In Abstimmung mit dem Kirchbauamt Gotha, dem Denkmalsamt Erfurt und unserem Verein konnte das gemeinnützige Projekt der Thüringer Bewährungs- und Straffälligenhilfe „Schwitzen statt Sitzen" Erfurt für diese Maßnahme gewonnen werden. Sie beinhaltete das Putzabschlagen, das Aufbringen von Unter- und Oberputz, die Neuanfertigung bzw. Vervollständigung von Lisenen, Rosetten und Schild mit Inschrift und das Aufbringen von Farbe auf Putz, Fenster und Fensterfaschen, Dachkasten, Türen und Beschläge sowie das Anbringen von Kupferfallrohre und der Einbau eines Ornamentkirchenfensters an der Giebelseite.

Parallel zu den Außenarbeiten begannen bereits im Herbst 2005 im Anschluss an die Sanierung der Kirchgartenmauer mit der gleichen Mannschaft. Die Begutachtung des Zustandes des Innenraumes, insbesondere der Fäulnisbefall der Dielung und sogar der tragenden Säulen der Emporen war Veranlassung eine Komplettsanierung des Kirchenschiffbodens vorzunehmen. So erfolgte der Aushub des Bodens, die Einbringung einer 50 cm dicken kapillar bre-chenden Kiesschicht, die Erneuerung des Holzpodestes und die Einarbeitung von Spaltklinker. Die aus Rastenberg stammenden Kirchenbänke mit Sitzheizung wurden neu angepasst und vervollständigten die im Jahr 2005 realisierten Sanierungsmassnahmen.

In der Broschüre "Heimatglocken" vom Jahr 2007 ist dieser erste Komplex der Restaurierungsarbeiten ausführlich dokumentiert.

In den Folgejahren ab 2007 wurden die Arbeiten innerhalb des Kirchenschiffes fortgesetzt. So konnte noch im Frühjahr 2007 der Einbau der kompletten Elektrik einschließlich einer Beschallungsanlage durch die Firma Fa. Premsler aus Sulzbach erfolgen, also noch vor der eigentlichen Sanierung und Restauration an den denkmalgeschützten Wand- und Deckenflächen sowie der malermäßigen Instandsetzung der übrigen Wände. Nach längerer Vorbereitungszeit konnte am 27. März 2008 das neue Orgelgebläse in den Balgraum der Orgel durch die Nachfolgefirma der ehemalig in Stadtilm ansässigen Firma Witzmann eingebaut werden.

Am 06.10.2008 begann die Restaurierung des Innenschiffes unserer Kirche "Sankt Anna". Die fachmännische Wiederherstellung der "Tonne" (Gewölbedecke) des Kirchenschiffes wurde durch die Restauratorin Barbara Ginzkey aus Eschenbergen mit Helferin Franziska Eisenbrandt durchgeführt.

Im Jahr 2009 konnten wir die Firma Zacharia Turmuhren in Leipzig für den Einbau einer elektrischen Läuteanlage für unsere drei Glocken beauftragen. Nötig geworden war die Investition von nahe 6.000 Euro, weil die langjährigen Läuter Mario Baier und Erich Komm beruflich bzw. altersbedingt nicht mehr zur Verfügung standen.

 

Im Oktober 2009 erfolgte die malermäßige Renovierung im Schiff, einschließlich der beiden Emporen und Treppenaufgänge durch den Meisterbetrieb des Maler- und Lackiererhandwerks Thomas Klink aus Niedertrebra. In diesem Jahr führten sie die begonnenen Malerarbeiten an den Emporen des Kirchenschiffes weiter und beendeten somit die Renovierungsarbeiten im Kirchenschiff.

Dies zu den Bauarbeiten an der Kirche selbst, die durch die Vielzahl der unterschiedlichsten Aufgaben und Vorhaben und differenzierten Anforderungen an sich schon die Berechtigung des Kirchbauvereines Oberndorf e.V. in den vergangenen Jahren rechtfertigten.

Dabei sei an die nicht einfachen und vielfältigen Beschaffungsmaßnahmen der Gelder sowie Spenden zur Finanzierung dieser gewaltigen Bauvorhaben gleichermaßen, sowie an die durch unseren Verein ins Leben gerufene und durchorganisierten Veranstaltungen unseres Vereines ebenso erinnert.

Im Resümee muss ich aber feststellen, dass wir außer des Altars und des dazugehörigen Altarraumes alle Baumaßnahmen zur Zufriedenheit auch der Oberndorfer Einwohner und vielen fremden Besuchern abgeschlossen haben.

Der verbleibende Rest ist bereits in Vorbereitung und wird lediglich von einem Auftragsnehmer, nämlich der Restauratorin Barbara Ginzkey aus Eschenbergen realisiert, die ihrerseits bereits die Untersuchungen am barocken Altar vornahm.

Eine Rücksprache am 26. Oktober 2010 ergab, dass ihre Kapazität zur Arbeitsausführung im Jahr 2011 nicht mehr ausreicht, so dass frühestmöglich im übernächsten Jahr, also im Jahr 2012 die Arbeit an unserer Kirche weitergeführt werden kann.

Das bedeutet, dass in den nächsten fast zwei Jahren keine Aktivität des Kirchbauvereins erforderlich ist, zumal die Auftragserteilung der Restarbeiten ohnehin nur durch die Kirchgemeinde zu erfolgen hat.

Die im Verlauf der letzten Jahre angedachte weitere Aufwertung der Kirche als begehbare Wanderkirche u.a. mit Glasdecke zur Besichtigung der Glocken, der Umgestaltung des Kirchgartens als Kneipp’schen Erholungsgarten halte ich persönlich als unökonomisch und nicht vertretbar. Dieses Ansinnen war auch lediglich, wenn wir ehrlich sind, nur für den Antrag von Fördermitteln bei Leeder Plus gestellt worden.

Wenn sich aber zur Verbesserung des Kirchgartenweges Freiwillige zur Verfügung stellen, die den Pflasterweg neu verlegen wollen, so können sie das jederzeit in Angriff nehmen. Dazu benötigen sie keinen Kirchbauverein, die Kirchgemeinde wird es Ihnen genau so danken.

Die Überholung und Restaurierung der Witzmann-Orgel stand für unseren Verein seit Gründung nie zur Debatte, da sie erhebliche Kosten verursachen würde, die wir gegenwärtig und in naher Zukunft sowieso nicht aufbringen können.

Also ich wiederhole, in den nächsten Jahren werden an der Kirche keine Aktivitäten erfolgen. Die noch ausstehenden Restaurierungsarbeiten sind soweit vorbereitet, dass im übernächsten Jahr der Auftrag zur Vollendung der Innenarbeiten durch die Kirchgemeinde ausgelöst werden kann.

Deshalb bin ich der Meinung den Kirchbauverein aufzulösen.

Für den Fall, so steht es in unserer Satzung, dass eine Mehrheit von Dreiviertel der anwesenden Mitglieder meine Meinung teilt, wird die Liquidation des Vereins durch den Vorstand ausgesprochen und somit der Kirchbauverein aufgelöst. Das gegenwärtige Vermögen fällt an die Kirchgemeinde Oberndorf, das es ausschließlich für denkmalpflegerische Zwecke an der Oberndorfer Kirche zu verwenden hat.

Für die Zukunft sehe ich also keine Befürchtung, dass die Gelder für einen anderen Zweck als der Oberndorfer Kirche zugeführt werden. Auch die künftigen Einnahmen, sei es aus der hoffentlich weiteren regen Spendentätigkeit oder anderen Töpfen, können zweckgebunden durch die Kirchgemeinde verwaltet und bei Bedarf der Finanzierung der noch anstehenden Arbeiten Verwendung finden.